Spiegelmedien: Wenn Journalismus versagt

29/12/2025

von: TK

spiegelmedien sind gefährlich für unsere demokratie

Was sind Spiegelmedien?
Spiegelmedien sind Medien, die spiegeln statt kontrollieren. Sie reflektieren, was Regierungen kommunizieren und was Nachrichtenagenturen melden – ohne Distanz, ohne Prüfung, ohne Widerspruch. Der Begriff beschreibt ein System, in dem Journalismus zur Verstärkeranlage degeneriert: Macht-Narrative werden nicht hinterfragt, sondern multipliziert. Agentur-Meldungen werden nicht recherchiert, sondern kopiert.

Das Ergebnis? Echo statt Kontrolle. Resonanz statt Recherche. Eine “Vierte Gewalt”, die keine mehr ist.

Erste Spiegelung: Macht-Spiegel

Spiegelmedien übernehmen Regierungsnarrative als Grundlage ihrer Berichterstattung. Die Begriffe stammen aus der politischen Kommunikation, die Frames aus Ministerien und Kanzleramt. Was dort gesetzt wird, landet in den Schlagzeilen – ungeprüft, unkorrigiert, unhinterfragt.

Corona

“Querdenker”, “Corona-Leugner”, “Impfskeptiker” – diese Begriffe kamen nicht aus Redaktionen, sondern aus der Regierungskommunikation. Das ARD ZDF Framing übernahm sie, als wären es neutrale Beschreibungen. Kritiker der Maßnahmenpolitik wurden nicht als Stimmen in einer Debatte behandelt, sondern moralisch aussortiert. Die Frage war nicht: Sind die Maßnahmen verhältnismäßig? Sondern: Wie bekämpft man die Querdenker?

Ukraine

Waffenlieferungen als Alternativlosigkeit. Diplomatie als naiv. Differenzierung als “Putin-Versteher”-Rhetorik. Die Berichterstattung folgte dem Regierungsnarrativ wie einem Drehbuch: Ukraine ohne Mitschuld, Russland als moralisches Schwarzes Loch, Fragen nach Eskalationslogik als Tabu. Wer “Ja, aber…” sagte, wurde nicht mehr zu Talkrunden eingeladen, wurde als moralisch verwerflich abgestempelt und als Putin-Versteher deklassiert.

Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie Klaus von Dohnanyi, ehrwürdiger, alter SPD-Politiker, von Markus Lanz langgemacht wurde, als dieser es wagte, nicht in das geschichtsvergessene Framing einzusteigen, das damals in allen Talkshows vorgegeben war.

Aufrüstung

“Zeitenwende” als Frame, Kritik als Träumerei. Wer nach Profiteuren fragte (Rüstungsindustrie, Lobbyismus), störte den Konsens.

Der Mechanismus dahinter ist kein Zufall. Journalisten, die Zugang wollen, passen sich an. 25 Journalisten flogen im August 2022 mit Scholz nach Kanada. Ob da wohl seine größten Kritiker dabei waren? Zwischen 2017 und 2022 zahlte die Bundesregierung 1,5 Millionen Euro an 200 Journalisten (120 davon beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk). Hintergrundgespräche mit Kanzlerin und BND – exklusiv für ausgewählte Journalisten, handverlesen nach Loyalität. Wer kritisch berichtet, verliert den Zugang.

Boris Reitschuster wurde 2022 aus der Bundespressekonferenz ausgeschlossen – offiziell wegen seines Firmensitzes in Montenegro, tatsächlich wegen seiner unbequemen Fragen zur Corona-Politik.

Die Botschaft ist klar: Nähe wird belohnt. Distanz bestraft.

Zweite Spiegelung: Agentur-Spiegel

Spiegelmedien übernehmen, was Nachrichtenagenturen melden. Was dpa, Reuters und AFP schreiben, wird zur Grundlage der Berichterstattung – meist ohne eigene Prüfung, oft ohne eigene Recherche.

Die Zahlen sind eindeutig: 800 bedruckte Seiten mit Agenturmeldungen erreichen eine große deutsche Tageszeitung täglich. Praktisch alle deutschen Rundfunkanstalten und Tageszeitungen nutzen dpa. Kleine Lokalzeitungen sind (Zitat einer Studie) “beinahe vollständig abhängig” von Agenturen.

Focus Online berichtete 2012 über die Wahl von Xi Jinping zum chinesischen Präsidenten – “mit Ausnahme von drei Artikeln” komplett durch dpa-Meldungen. Keine eigenen Korrespondenten, keine eigene Einordnung. Copy-Paste.

Redaktionen übernehmen laut “Agenturprivileg” Meldungen, ohne sie zu prüfen. Eine Redakteurin der Schwäbischen Zeitung formulierte es so: “Wir prüfen nicht jeden dpa-Text, weil wir davon ausgehen können, dass das, was über den Ticker läuft, korrekt ist.” Vertrauen ersetzt Recherche. Effizienz ersetzt Kontrolle.

Das Problem: Wenn eine Agentur einen Frame setzt, übernehmen ihn hunderte Redaktionen. Der Mechanismus ist simpel: Agenturtext → Schlagzeile → Diskursrahmen → Mehrheitsdeutung. Die Korrektur (falls eine kommt) erreicht später nur einen Bruchteil der Leser. Der Frame bleibt hängen.

Warum dieser Begriff?

Medienkritik braucht präzise Begriffe. Massenmedien, die Regierungsnarrative in Medien übernehmen, sind keine Kontrollinstanz. Medien, die Agentur-Meldungen kopieren, sind keine Rechercheure. Sie sind Spiegel – sie reflektieren, was andere setzen.

Der Begriff “Spiegelmedien” ist keine Polemik, sondern Diagnose. Er beschreibt ein System, in dem Journalismus seine Funktion verloren hat: Macht zu kontrollieren, Narrative zu hinterfragen, Frames zu dekonstruieren. Stattdessen: Verstärkung, Multiplikation, Echo. Was Regierungen kommunizieren, wird gespiegelt. Was Agenturen melden, wird kopiert. Was als “Vierte Gewalt” firmiert, ist längst zu einem kritikarmen Lautsprecher verkommen.

Die Frage ist nicht, ob es Ausnahmen gibt. Die gibt es. Die Frage ist, ob diese Ausnahmen das System ändern. Tun sie nicht.

Spiegelmedien als Gegenbegriff

Spiegelmedien sind das Gegenteil von Kontrollinstanzen. Sie spiegeln Macht-Narrative und Agentur-Frames – ohne Distanz, ohne Korrektur, ohne Widerspruch. Der Begriff benennt, was offensichtlich ist: Journalismus, der spiegelt statt kontrolliert, ist kein Journalismus mehr.

Er ist Verstärker. Und Verstärker kontrollieren nichts – sie machen nur lauter, was andere sagen.